"Der Schrei" By Christiane Schmidt > Rated: PG-13 Submitted: May 2003 (written 12/02 - 01/03) "Claaaaaaark!!!" Lois war wie erstarrt. Sie kauerte auf dem kalten Boden, aber sie fuehlte die Kaelte nicht. Sie starrte in Richtung der Tuer, durch die soeben Clarks Leiche gezerrt worden war, aber sie sah sie nicht. Sie nahm ueberhaupt nichts mehr wahr. Nicht ihre vom Schreien wehe Stimme, nicht die mitleidigen Blicke der anderen Bargaeste, nicht die Traenen, die ihr ueber das Gesicht ins Dekolleté stroemten. Da war nur Leere. Eine grosse Leere machte sich in ihr breit und sie konnte nur noch eines denken: "Clark!" Oh, Gott, nein! Wieder schrie sie seinen Namen, aber dann schlich sich in ihr kaltes Denken eine noch kaeltere Gewissheit: Clark war tot. Erschossen. Weg. Verloren. Fuer immer. Lois verbarg ihr Gesicht in den Haenden und brach auf dem Boden zusammen. Vor lauter Schluchzen konnte sie schon nicht mehr richtig atmen, ihre Gedanken schrieen nur noch "Nein, nein!" und ihr Koerper zitterte und bebte in einer Verkrampfung, aus der sie nie wieder loskommen wuerde. Lois registrierte nicht den zunehmenden Laerm um sie herum, die wieder einsetzende Musik und die Menschenmenge, die sich tuschelnd wieder in Bewegung setzte. Keiner kuemmerte sich mehr um die schluchzende Frau in dem roten Kleid, die sich da augenscheinlich in etwas hineinsteigerte. Niemand schenkte Lois in ihrem Weinkrampf mehr Beachtung, bis auf einen aelteren Herrn, der wohl gekleidet war und einen sehr gebildeten Eindruck machte. "Das arme Maedchen muss diesen Erschossenen ja sehr geliebt haben" dachte er bei sich und kniete sich auf den Boden, um zu fragen, ob er ihr helfen koenne. "Lady?" Die ploetzliche Beruehrung einer grossen, warmen Hand auf ihrer Schulter schreckte Lois aus ihrer Erstarrung hoch. Mit weit aufgerissenen, traenenverschleierten Augen fixierte sie den fremden Mann, und nach einer Sekunde, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam, sprang sie auf die Fuesse und rannte raus aus dem Spielcasino. Raus, nur raus, an die frische Luft und weit weg von diesem schrecklichen Ort. Auf der Strasse rannte Lois und rannte, bis sie nicht mehr konnte, weil ihr das Herz bis zum Halse klopfte und drohte, ihr die Luft abzuschnueren. Um nicht nochmals zusammenzubrechen, zwang sie sich zum weitergehen, fiel immer wieder gegen die Hauswaende. So irrte die einst so zielstrebige Lois Lane ziellos durch die regennassen, menschenleeren Strassen, ohne einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, wo sie sich nun gerade befinden koennte. Ihre einzigen Gedanken waren "Clark", "tot" und "nein". Diese drei Woerter kreisten unaufhoerlich in ihrem Kopf, bis sie es nicht mehr aushielt, stehen blieb, und beide Haende seitlich an ihre Schlaefen presste, wie wenn sie dadurch die Gedanken zum Schweigen bringen koennte. Nun brach alles aus ihr heraus und sie schrie die Worte in den schwarzen Himmel, so als ob sie Clark auf seinem Weg nach oben noch erreichen koennten: "Clark! Komm zurueck! Clark! Bitte!!! Ich liebe dich! Verdammt!!! Warum war ich so dumm? Warum hab ich es dir nie gesagt? Ich wusste es doch schon so lange! Clark, komm zurueck zu mir..." Mit den letzten Saetzen erstarb ihre Stimme und Lois sank auf der nassen Strasse zusammen. *************************************************************** ***************** Nachdem der Wagen der Gangster mit quietschenden Reifen um die Ecke gebogen war, rappelte Clark sich auf aus dem Muellhaufen, in dem er so unsanft abgeladen worden war und klopfte seinen Anzug sauber. Aber im gleichen Moment meldete sich sein Bewusstsein wieder, das ihm sagte, dass es sehr schlecht waere, wenn jetzt jemand auf der Strasse Clark Kent begegnen wuerde, der doch gerade eben vor etlichen Augenzeugen erschossen worden war. Nach ein paar pruefenden Blicken in die Gott sei Dank leeren Strassen wirbelte er in sein Superman-Kostuem und versuchte dann, seine Gedanken zu sortieren. Was war da eigentlich passiert? Um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen, war die einzige Moeglichkeit, die er in den Millisekunden nach Clyde Barrows Schuessen auf ihn in Betracht ziehen konnte, sich tot zu stellen. Da er seinen Atem ja lange genug anhalten konnte, war es ein leichtes fuer ihn, die Leiche glaubhaft zu spielen. Die Sache mit der Beherrschung seiner Regungen, dem Verbleiben in einer absoluten Erstarrung fiel ihm dann allerdings gar nicht mehr leicht, als sich Lois mit einem Aufschrei aus Entsetzen und Trauer auf ihn warf. Oh Gott, Lois! So lange liebte er sie schon, dieses Gefuehl, was er bereits bei ihrer ersten Begegnung hatte, war mit jedem Tag ihres Zusammenseins tiefer und intensiver geworden. Er liebte sie so sehr, dass es ihn innerlich fast zerriss, als sie weinend ueber ihn gebeugt kniete und wieder und wieder seinen Namen rief. Ihre Hand auf seinen Lippen war fuer ihn dann so intensiv wie ein Kuss, eine so zaertliche und liebevolle Geste, dass er es beinahe nicht mehr ertragen konnte, ihr seinen Tod vorzuspielen. Am liebsten haette er sie in die Arme genommen und gesagt, dass alles wieder gut wird. Dass er sie liebt und nie, nie verlassen wird. Aber schon zerrten die Gangster Lois von ihm herunter und ihn hinaus zum Auto. Oh, Gott, wie wuerde es Lois jetzt wohl gehen? Hatte sie sich wieder gefangen? Hatte sie Hilfe? Vielleicht sogar von der Polizei? Oder hat sie sogar wieder die Geistesgegenwart gehabt, Perry oder die Polizei selbst zu verstaendigen? Oder hatten Al Capone und die anderen etwa auch ihr was angetan? Dieser Gedanke versetzte Clark einen Stich in sein eigentlich unverletzbares Herz, und er konnte die Ungewissheit nicht mehr ertragen. Noch bevor er einen Gedanken daran verschwenden wuerde, wie er denn mit dem Verlust seiner Identitaet Clark Kent umgehen koenne, musste er sich wenigstens aus der Ferne davon ueberzeugen, dass Lois in Ordnung war. Clark hob vom Boden ab und schwebte los in Richtung des Clubs, nicht allzu schnell, damit seinen Ohren kein wichtiges Geraeusch entging. Schnell war er am Ort des Geschehens angekommen, scannte mit seinem Roentgenblick durch die Mauern, konnte Lois aber drinnen nirgends mehr entdecken. Beim Anblick des Guckloches in der Eingangstuer hoerte er in Gedanken Lois noch einmal "Schwertfisch" sagen und ein kaum merkliches Laecheln glitt ueber seine Lippen. Er musste sie unbedingt finden. Sie war seine grosse Liebe, sie war sein Leben, sie bedeutete einfach alles fuer ihn, und er musste einfach die Gewissheit haben, dass es ihr gut ging. Also machte er sich nun in die entgegengesetzte Richtung auf, um nach ihr zu suchen, und schon nach wenigen Metern drang ihre Stimme in sein Supergehoer: "Clark!" Wie ein Blitz schoss er los, und schon hatte er sie aufgespuert. In einer einsamen Gasse mitten im Hafengebiet (wie war sie um Himmels Willen alleine in der kurzen Zeit so weit gekommen?) stand sie mitten auf der Strasse, hielt die Haende an ihren Kopf gepresst und schrie hinauf in den Himmel: "Komm zurueck! Clark! Bitte!!! Ich liebe dich!" Clark war ploetzlich wie erstarrt. Er hielt den Atem an und sein Herzschlag setzte fuer einen Moment aus. Voellig unfaehig, sich zu ruehren, konnte er nichts weiter denken als "sie liebt mich". "Verdammt!" Lois Stimme wurde leiser. "Warum war ich so dumm?" Ihre Arme fielen herunter und sie senkte den Kopf. "Warum habe ich es dir nie gesagt? Ich wusste es doch schon so lange!" Lois sackte in die Knie und Clark hatte selbst mit seinem Supergehoer grosse Schwierigkeiten, ihre letzten Worte zu verstehen: "Clark, komm zurueck zu mir..." Clark war immer noch wie erstarrt, unfaehig, einen klaren Gedanken zu fassen, sein weiteres Vorgehen zu planen. Wenn sie ihn tatsaechlich liebte, waere es dann nicht das einfachste, ihr zu sagen "Lois, ich lebe noch, weil ich Superman bin, und ich liebe dich auch."? Sein Herz schrie zu ihm, genau das zu tun, aber sein Verstand sagte ihm, dass er damit entweder eine deftige Ohrfeige einfangen wuerde oder aber Lois dann voellig zusammenbrechen wuerde. Mit der ersteren Moeglichkeit koennte er leben, aber zweiteres wollte er angesichts ihres labilen Zustandes nicht riskieren. Ueberhaupt, ihr Zustand! Clark stand nun schon eine halbe Ewigkeit wie angewurzelt auf der gleichen Stelle und starrte auf die Frau, die er ueber alles liebte und die in etwa 50 Meter Entfernung von ihm wie ohnmaechtig mitten auf der nassen Strasse lag. Ein Haeuflein Elend in einem duennen roten Kleid. *************************************************************** ***************** Der Anblick der leidenden Lois auf der kalten Erde brachte Clark dann urploetzlich zur Besinnung und in weniger als einem Wimpernschlag war er bei ihr, fasste sie an und wollte sie behutsam vom Boden aufheben. Bei Lois aber loeste dies den selben Effekt aus wie ein paar Minuten zuvor schon einmal. Sie war mit einem Satz auf den Fuessen und starrte mit grossen Augen in das Gesicht von - Superman! "Du???" Mein Gott, was war sie schoen. Unendlich zart und zerbrechlich und doch in ihrem Schmerz und Zorn so stark wie eine Furie, die Haare voellig zerzaust, das Gesicht traenenverschmiert, was ihre dunklen Augen noch intensiver leuchten liess. Sie zitterte am ganzen Koerper vor Kaelte und ohnmaechtiger Wut. In Lois' Kopf schalteten ploetzlich die Gedanken wieder und ihr wurde bewusst, dass er - Superman - ganz tief in dieser Sache mit drin hing. "Wo warst du? Warum warst du nicht da? Weisst du eigentlich, was du getan hast?" "Ich?" Clark war wie vor den Kopf geschlagen. Er hatte geglaubt, Lois wuerde sich freuen, ihn zu sehen, seine starken Arme dankbar annehmen, sich von ihm troesten lassen. "Ja, du! Du haettest ihn retten muessen!" "Aber ich..." "Du hast versagt! Im allerwichtigsten Moment unseres Lebens hast du versagt! Wenn man dich mal wirklich braucht, bist du nicht da!" Mit diesen Worten drehte sie sich um und lief wieder los, ohne Ziel, in die dunklen Gassen hinein. "Lois..." Clarks Versuch, sie an den Armen zurueckzuhalten, wurde von ihr heftig abgeschuettelt. "Lois, lass mich dir doch bitte was erklaeren!" Aber sie lief nur schneller, fing wieder an zu schluchzen und presste ein "Lass mich in Ruhe!" durch die Zaehne. Clark versuchte noch einmal, sie dazu zu bringen, ihm zuzuhoeren, aber es nuetzte alles nichts. Schliesslich griff er zu dem letzten Mittel, das ihm noch einfiel: er fing Lois ein, hielt sie fest in seinen Armen und flog mit ihr hoch hinaus in die Luft. Lois schrie wieder los: "Lass mich! Ich will dich jetzt nicht sehen! Lass mich runter!" und dabei strampelte sie, haemmerte ihre Faeuste gegen seine Brust und schuettelte ihren Kopf wild hin und her. "Lass mich los! Lass mich los!" "Lois, ich muss dir was sagen..." "Ich will es aber nicht hoeren! Superman, es geht dich zwar nichts an, aber ich habe Clark geliebt! Du kannst gar nicht verstehen, wie ich mich jetzt fuehle! Ich habe es ihm nie gesagt..." Die neuerliche Erkenntnis ihrer schrecklichen Situation liess Lois' Widerstand ersterben, sie vergrub ihr Gesicht in Supermans breiter Brust und fing bitterlich an zu weinen. Clark versuchte nun nicht mehr, auf sie einzureden, hielt sie fest und dennoch sehr zaertlich in seinen Armen, seufzte tief und flog mit ihr sehr langsam durch die Nacht, bis sie in seinen Armen eingeschlafen war. *************************************************************** ***************** Clark betrachtete Lois, wie sie da so zerknuellt auf ihrem Bett lag und erschoepft schlief. Sie war nicht aufgewacht, als er sie in ihr Appartement geflogen und auf dem Bett abgelegt hatte. Als er sie sanft zudeckte, sagte sie im Halbschlaf noch einmal schmerzvoll seinen Namen. Wieder tat Clark dies innerlich sehr weh, aber jemandem in seinen Alptraeumen beistehen - das vermochte noch nicht mal ein Superman. Also blieb er an ihrem Bett sitzen und wachte ueber ihren unruhigen Schlaf. Eingefallen sah sie aus. Grau und alt. Wunderschoen natuerlich immer noch, aber das Erlebte hatte sichtbare Spuren bei ihr hinterlassen. Sie scheint mich also tatsaechlich sehr zu lieben. Wie sehr habe ich mir das gewuenscht!' Clark konnte es nicht fassen. Es war erst wenige Wochen her, da hatte sie seine Liebe zurueckgewiesen und Lex Luthors Heiratsantrag angenommen. Damals war er an den Nordpol geflogen und hatte seinen Schmerz heraus geschrieen. Genau so stand Lois heute in dieser kalten Strasse und schrie seinen Namen. Sollte sie ihn tatsaechlich so lieben wie er sie, war es unwichtig, warum sie es ihm nicht frueher gesagt hatte, warum auch er es nicht gewagt hatte, wieder auf sie zuzugehen in dieser Hinsicht. Das einzige, was nun zaehlte, war, Lois die Wahrheit zu sagen ueber seine zwei Identitaeten und Clark Kent wieder zum Leben zu erwecken. Seine Wiederauferstehung duerfte nicht allzu schwierig werden, sobald er Lois auf seiner Seite wuesste, um ihm dabei zu helfen. Aber ihr die Wahrheit zu sagen, das wuerde richtig schwer werden. Ihre impulsive Art, die er schon so lange bewunderte, wuerde es nicht leicht machen, ihr sein Handeln plausibel zu erklaeren. Gewiss wuerde sie sauer reagieren, wenn sie erfahren wuerde, dass sie ihm selbst das Gestaendnis gemacht hatte und er dabei vorgab, jemand anders zu sein. Sie wuerde ihn einen Luegner schimpfen und womoeglich sogar ihre Liebeserklaerung zuruecknehmen, mit ihrem geschockten Zustand erklaeren. Clark seufzte. Zaertlich laechelnd blickte er auf seine kleine Furie, deren ganzes Wesen er so sehr bewunderte. Mit ihrem absoluten und kompromisslosen Willen hatte sie sich alleine durchs Leben gekaempft und war so weit gekommen, aber genau dieser Wille wuerde die kommende Auseinandersetzung ziemlich schwierig machen. Naja, auch dies wuerde er durchstehen. Das wichtigste war nun erst mal, dass Lois nicht mehr leiden musste, dass sie nicht mehr traurig sein musste ueber den Verlust ihres besten Freundes, und um das zu erreichen, durfte sie ruhig mal ein bisschen wuetend auf ihn werden. Lois' Atemzuege wurden ruhiger, ihr Gesicht hatte sich entspannt und sie schien in einen tiefen, traumlosen Schlaf uebergegangen zu sein. Clark beschloss, ins Wohnzimmer hinueberzugehen und seine Eltern anzurufen. Erstens musste er sie beruhigen, da sie vielleicht schon von der Polizei ueber seinen Tod informiert worden waren und ausserdem wuerde ihm seine Mom in dieser "Frauenangelegenheit" bestimmt ein paar wichtige Tipps geben koennen. Leise schwebte er aus dem Schlafzimmer und nach einem letzten pruefenden, liebevollen Blick auf Lois' Schlaf schloss er die Tuer. *************************************************************** ***************** Noch bevor Clark zum Hoerer greifen konnte, klingelte das Telefon und er nahm schnell ab, damit Lois nicht aufwachen wuerde. "Lois Lanes Appartement?" Perry Whites Stimme ueberschlug sich fast am anderen Ende: "Kent? Sind Sie das???" "Nein, Mr. White, hier ist Superman." "Oh..." Schweigen. Clark hielt auch die Luft an, weil er nicht wusste, inwieweit Perry gerade den Zusammenhang zwischen Clark Kents und Supermans Stimme kombinierte. Doch der Chefredakteur brauchte anscheinend nur einen Moment, um sich von dem Schrecken zu erholen. "Die Polizei hat mich informiert. Wo ist Lois?" "Keine Sorge, Mr. White, ich habe sie aufgegabelt. Sie war ziemlich am Ende, nachdem man auf Clark geschossen hatte. Sie schlaeft jetzt." "Wissen Sie naeheres?" "Nein, tut mir leid. Ich musste mich entscheiden, ob ich Lois helfe oder die Gangster verfolge." "Okay, dann danke erst mal, Superman. Das ist alles so schrecklich..." Ohne ein weiteres Wort legte Perry White den Hoerer auf und Clark seufzte. Er hatte die ganze Zeit nur an Lois gedacht, aber da waren noch andere Menschen, denen sein Tod sehr nahe ging und er wusste, dass er dringend das "Projekt Wiederauferstehung" in Angriff nehmen musste. Aber nun erst mal der Anruf bei seinen Eltern. "Mom?" "Clark! Oh Gott, mein Junge, was ist passiert? Perry White rief eben an!" "Ach Mom, es ist alles ziemlich verfahren..." Clark erzaehlte seiner Mutter die ganze Geschichte von Anfang an, erwaehnte sogar den Schwertfisch, hoerte sie die Luft anhalten, als er die Situation mit den Schuessen schilderte, und seine Stimme fing an zu zittern, als er erzaehlte, wie Lois ihr Liebesgestaendnis in den Himmel geschrien hatte. Martha sagte nicht viel. Selten hatte Clark sie bisher so schweigsam erlebt. Seine Mom wusste fuer jedes Problem eine Loesung und auf alle Fragen eine Antwort. Jetzt war sie erst mal einen Moment still. Dann fing sie zoegernd an zu sprechen. "Clark... also... die einzige Loesung ist, Lois so schnell wie moeglich die Wahrheit zu sagen... Du weisst inzwischen, dass du ihr vertrauen kannst, und wenn sie dich wirklich liebt, dann wird sie auch nicht lange auf dich boese sein. Vor allem nicht, wenn sie sich die Ernsthaftigkeit der Lage bewusst macht und dir helfen muss, einen Weg zu finden, wie du auftauchen kannst ohne dass jemand mitbekommt, dass du Superman bist. Am besten sagst du es ihr gleich, wenn sie aufwacht, damit sie nicht noch mehr leiden muss. Und damit ihr gleich an die Arbeit gehen koennt." Clark wusste, seine Mutter hatte mal wieder recht, und zwar vollkommen. Aber... "Mom, das ist mir irgendwo alles klar. Mein Problem ist eher, wie ich ihr das alles beibringen soll. Du glaubst gar nicht, wie oft ich schon vor dem Spiegel gestanden habe, meine Brille abgezogen habe und zum Spiegel gesagt habe "Lois, ich bin Superman!" - das war alles so - unecht. Ich hatte dabei immer ein mulmiges, falsches Gefuehl. Mein Unterbewusstsein sagt mir, dass es fuer diese Enthuellung einen richtigen Zeitpunkt geben muss. Genauso richtig wie fuer einen Heiratsantrag." "Na, dann verbinde das doch gleich miteinander!" "Mom, mach jetzt bitte keine Scherze, es ist mir wirklich ernst!" "Ich verstehe dich ja, mein Junge. Aber du kannst nicht wertvolle Zeit damit verschwenden, auf die richtige Situation zu warten, die vielleicht nie eintreffen wird. Du kannst nicht abschaetzen, was danach noch alles passiert, ob es vielleicht lebensnotwendig sein koennte, dass Lois dein Geheimnis kennt. Du weisst doch, man soll nie im Streit auseinandergehen, nie wichtige Sachen ungeklaert lassen, es koennte das letzte mal sein, dass man sich sieht." "Ja, ich weiss. Also soll ich ihr einfach ganz unromantisch sagen, was Sache ist?" "Och Clark, ihr beide seid alleine zu Hause und ihr habt gerade Zeit, keiner ruft nach Superman, keiner wartet auf Clark und keiner wird Lois stoeren wollen. Auf was wartest du noch?" "Okay, ich denke, du hast recht. Und wahrscheinlich mache ich es eher noch schlimmer, wenn ich es hinauszoegere, womoeglich faengt Lois dann noch an, sich selbst Vorwuerfe wegen Clarks Tod zu machen, schliesslich war sie es ja gewesen, die unbedingt in diesen Club wollte. Ich kenne Lois doch, wenn sie anfaengt nachzudenken, kommt sie da auch noch drauf." "Mein lieber Sohn, du wirst das schon ganz richtig machen. Du bist der einfuehlsamste und gewissenhafteste Mensch, den ich kenne, also gruebele nicht darueber nach, was du falsch machen koenntest, sondern was du tun musst, damit es Lois wieder besser geht. Und danach, was es fuer eine Loesung fuer deine Wiederauferstehung geben koennte. Ich rede inzwischen mit deinem Vater darueber und du rufst spaeter nochmal an. Oder ihr beide fliegt einfach in Smallville vorbei!" "Ist gut, Mom, danke erst mal. Gruess Dad von mir und - bis spaeter!" Leise legte Clark den Hoerer auf die Gabel und seufzte tief. Seine Mutter hatte mal wieder so recht. Es konnte keinen besseren Zeitpunkt geben als jetzt, er durfte gar nicht laenger warten, wenn er die Situation nicht noch verschlimmern wollte. Wenn Lois sich vorhin nicht so vehement gewehrt haette, haette er ihr sofort die Wahrheit gesagt, es tat einfach zu sehr weh, sie so leiden zu sehen wegen seines vermeintlichen Todes. Hatte sie tatsaechlich gesagt, dass sie ihn liebte??? Mittlerweile kam ihm das so unwirklich vor. Aber da heute ja die Nacht der Enthuellungen war, wuerde er ihr auf jeden Fall auch sagen, dass er sie schon so lange liebte, dass er noch nie eine andere Frau so sehr geliebt hatte und dass er niemals wieder jemanden so wuerde lieben koennen. Aber nun erst mal eins nach dem anderen. Clark entledigte sich endlich seines Superman-Kostuems und zog ein bequemes T-Shirt und Shorts an, die Brille setzte er nicht mehr auf, denn diese Tarnung war ja nun wohl nicht mehr noetig. Schnell fuhr er sich noch ein paar mal durch die Haare, um sie aufzulockern und notduerftig vom Gel zu befreien, dann oeffnete er vorsichtig die Tuer zum Schlafzimmer und horchte auf Lois Atem. Sie schlief anscheinend immer noch tief und ruhig und er beschloss, hier bei ihr zu warten, bis sie wieder aufwachen wuerde, er wollte sie jetzt keine Sekunde mehr aus den Augen lassen. Leise schluepfte er nun ins Bett neben sie, zog sich die Decke bis zum Hals und schaute sie an. Seine geliebte Lois. Bald schon wuerde sie die Wahrheit wissen. Sie war es wert. Sie war der einzige Mensch ausser seinen Eltern, dem er schon immer vertrauen konnte. Ihr allein traute er es zu, dieses Geheimnis auszunutzen, und zwar fuer gute Zwecke. Mit ihrer Intelligenz, ihrem Spuersinn und ihrer Schlagfertigkeit wuerde sie es fertig bringen, Superman noch effektiver in der Arbeit des Teams Lane & Kent einzubinden. Sie, Lois Lane, war die Auserwaehlte, der einzige Mensch, der in schweren Pruefungen das hoechste Ziel erreicht hatte: Supermans Partner zu werden. Bei diesen prosaischen Gedanken musste Clark ploetzlich sehr ueber sich grinsen. Er wusste zwar, dass er recht hatte, aber auch, dass man diese Beziehung noch viel besser anders beschreiben koennte: Liebe und tiefes Vertrauen. Beides war in zarten Anfaengen vorhanden, aber ausbaufaehig. Sehr weit ausbaufaehig. Clark laechelte immer noch, freute sich ueber seine warmen Gedanken, seine Zukunft mit Lois, die schon sehr bald beginnen wuerde, dessen war er sich ploetzlich sehr sicher, und darueber, dass er nun tatsaechlich mit ihr zusammen in einem Bett lag. "Alles wird gut..." dachte er noch ein letztes mal, dann schlief auch er mit einem Laecheln auf den Lippen ein. *************************************************************** ***************** Lois merkte, dass sie so langsam wieder wach wurde. Sie hatte nicht getraeumt, wusste aber beim Aufwachen, dass es ihr nicht gut ging. Dass irgendetwas dunkles ihren Schlaf beschwert hatte. Ploetzlich jagten die schlimmern Gedanken wieder in ihren Kopf und da war sie wieder, die schreckliche Gewissheit: ‚Clark ist tot!'. Lois ruehrte sich nicht und presste die Augen zusammen. Nur nicht aufwachen. Tief und traumlos weiterschlafen. Nicht aufwachen muessen und der schrecklichen Wahrheit ins Gesicht sehen muessen. Lois versuchte, nicht zu viel zu denken, um nicht wieder weinen zu muessen, sie hielt die Luft an und konzentrierte sich auf die Dunkelheit, in die sie wieder eintauchen wollte, als sie ploetzlich ein Atmen vernehmen konnte. Tiefe, langsame, gleichmaessige Atemzuege, direkt in ihrer Naehe. Vorsichtig oeffnete sie die Augen und sah in das schlafende Gesicht von Clark. Schnell schloss Lois die Augen wieder. ‚Das muss eine Halluzination sein, ich bin im Delirium!' Aber die Atemzuege waren doch zu deutlich und zu beharrlich. Vorsichtig oeffnete Lois die Augen nochmal und zwang sich, genauer hinzusehen. Tatsaechlich, da lag ein Mann und schlief, aber es war eindeutig Superman. Die Decke hatte er bis zum Kinn hochgezogen, darunter musste sein wohlbekannter Anzug versteckt sein. Superman? Richtig, der hatte sie ja aufgegabelt, als sie schreiend durch die Strassen gelaufen war, nachdem man Clark erschossen hatte. Ein Schluchzer wollte Lois den Hals hinaufkriechen, aber sie schluckte ihn hinunter. Besser Superman jetzt nicht aufwecken, auch er schien wohl ab und zu seinen Schlaf zu brauchen und schliesslich war auch er ein guter Freund von Clark gewesen. Wahrscheinlich ging ihm das ganze genauso nahe wie ihr. Seltsam, dass Superman sich dazu herabliess, sich zu ihr ins Bett zu legen. Ein halbes Jahr zuvor waere sie deswegen in Jubeln ausgebrochen, jetzt tat er ihr einfach nur leid und sie fuehlte eine tiefe Verbundenheit zu ihm, die allerdings wenig mit der Liebe zu tun hatte, die sie fuer Clark empfand. Clark. Mein Gott, man koennte Superman echt fuer Clark halten. Wie er da so schlief, sah er richtig menschlich aus. Fast schon zu menschlich. So sehr vertraut. Wie Clark. Lois war verwirrt. Nun, als ihre Augen sich immer besser an die Dunkelheit gewoehnten - anscheinend war es Nacht und nur die Strassenlaterne brachte ein wenig Licht durch die offenen Vorhaenge in das Schlafzimmer - konnte sie auch mehr erkennen. Hatte sie jemals Clark beim Schlafen beobachtet? Hatte sie ihn ueberhaupt jemals so richtig betrachtet? Oder Superman? Also, der Mann, der hier neben ihr lag, war schoen. Gutaussehend, das war ja eine aeusserst subjektive Kategorie, aber von diesem Gesicht hier neben ihrem konnte sie mit gutem Gewissen behaupten, dass es ebenmaessig, ansprechend und einfach nur schoen war. Vor allem seine Lippen. Diese Lippen hatte sie schon gekuesst. Auf dem Flugplatz, nachdem Superman so viel von dem Pheromon-Spray abbekommen hatte und sie nicht widerstehen konnte, seinen Zustand ausgiebig auszukosten. An seinen Kuss konnte sie sich noch genau erinnern, er hatte sie ganz tief beruehrt. Genau so wie Clarks Kuss sie beruehrt hatte, als er damals die Stadt verlassen wollte. Als es so heiss war und Superman die Stadt verlassen wollte. Supermans Kuss. Clarks Kuss. Supermans Lippen. Clarks Lippen. Vorhin hatte sie sie noch beruehren koennen. Lange und zaertlich, weil sie nicht mehr dazugekommen war, sie zu kuessen, weil die Gangster sie dann schon von Clark runterrissen und ihn zur Tuer hinaus schleppten. Es waren die selben Lippen. Es war der selbe Mund. Es war das selbe Gesicht. Supermans Gesicht. Clarks Gesicht. Clark ohne Brille sah ganz genauso aus wie Superman. Wieso war ihr das nie aufgefallen? Hatten die zwei Maenner eine so voellig verschiedene Mimik und Art zu reden, dass sie diese Aehnlichkeit jetzt nur im Schlaf sehen konnte? Waren diese beiden Maenner, die sie abwechselnd liebte und verehrte, tatsaechlich ein und die selbe Person? Diese Erkenntnis traf Lois gleichzeitig eiskalt und ganz heiss. Heiss, weil das bedeutete, dass Clark gar nicht tot sein konnte. Er lag hier neben ihr, hatte sie als Superman immer beschuetzt und hatte wohl beschlossen, ihr nach dem Aufwachen sein Geheimnis zu erzaehlen und sie als wahrscheinlich einzige Person ueberhaupt in sein Doppelleben einzuweihen. Eiskalt, weil ihr schlagartig bewusst wurde, dass Clark als Superman mit angehoert haben musste, dass sie ihn liebte. Dass er damals, als sie Clarks Liebe abgewiesen hatte, wenig spaeter als Superman vor ihr stand und sich von ihr anhoeren musste, dass sie ihn lieben wuerde, wenn er nur ein ganz normaler Mann sein wuerde. Oh Gott! Was hatte er da nur ueber sie gedacht? Wie peinlich war ihr das jetzt! Und wie viele Dinge wurden ihr ploetzlich klar! Dass es kein Wunder war, dass Superman nicht auftauchte, um Metropolis vor dem Nightfall- Asteroid zu retten, wenn Clark sein Gedaechtnis verloren hatte. Dass Clark unbedingt gleichzeitig mit Superman Metropolis verlassen wollte, als es zu der grossen Hitzewelle kam. Er konnte gar nicht erschossen worden sein, er musste ganz einfach seinen Tod vortaeuschen um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen. Auf einmal erschien ihr alles so logisch, und noch so viele andere kleine Gelegenheiten fielen ihr ein, als Clark ploetzlich wegrannte und im selben Moment Superman auftauchte. Wie oft hatte er sie schon gerettet, auch als Clark, da hatte wohl tatsaechlich jemand auf sie geschossen, an dem Tag, wo sie spaeter von Finn fast erwuergt worden war. ‚Ach Clark, wie oft habe ich dir Unrecht getan und wie oft habe ich dich wohl verletzt. Aber du hast mich auch verletzt. Hast mir staendig vorgespielt, du waerest zwei verschiedene Personen...' Eigentlich sollte sie jetzt wuetend auf ihn sein. Im Prinzip hatte er sie ja nun schon ueber ein Jahr lang angelogen, immer wieder. Aber so einfach konnte Lois nicht nur sauer auf ihn sein. Dazu liebte sie ihn viel zu sehr, dazu war sie viel zu froh, dass er am Leben war, dass er sich sofort um sie gekuemmert hatte und ihr jetzt sein Geheimnis verraten wollte. Warum sonst hatte er sich zu ihr ins Bett gelegt? Er haette sie auch abliefern und sich weiter um seinen Superman-Job kuemmern koennen. Nein, er war bei ihr geblieben, um sie zu troesten, mit ihr zu reden, sie in sein Geheimnis einzuweihen, sie zu seiner Partnerin zu machen. Zu seiner rein geschaeftlichen Partnerin vermutlich, denn schliesslich hatte er ihr erst wenige Wochen zuvor, direkt nach der zum Glueck geplatzten Hochzeit mit Lex Luthor, gesagt, dass er sie nicht lieben wuerde. Oh nein. Aber da konnte sie noch spaeter drueber nachdenken, jetzt war sie erst mal heilfroh, dass Clark noch am Leben war und dass sie nicht mehr um ihn trauern musste. Sie liebte ihn, und daran wuerde sich auch nichts aendern, egal wie er ihr gegenueber empfand. "Clark, ich liebe dich!" fluesterte sie gluecklich und so leise wie moeglich und sie merkte nicht, wie ihr ganz sachte eine Traene aus dem Auge schluepfte und ueber ihre Schlaefe hinab auf das Kissen tropfte. *************************************************************** ***************** "Clark, ich liebe dich!" Clark hoerte diese Worte im Schlaf und im Bruchteil einer Sekunde registrierte er, dass er eingeschlafen gewesen sein musste, was er eigentlich gar nicht wollte und dass Lois anscheinend wieder angefangen hatte, unruhiger zu schlafen und von ihm zu traeumen. Er zwang sich, keine Bewegung zu machen, um sie nicht abrupt aufzuwecken und schlug nur seine Augen auf. Ueberrascht stellte er fest, dass Lois keineswegs schlief. Ihr Gesicht war nur wenige Zentimeter von seinem entfernt und er schaute in ihre wunderschoenen dunklen Augen, in denen ein sanfter Traenenschleier hing. Aber sie laechelte. Sie laechelte und sagte ‚Clark, ich liebe dich!' - was hatte das zu bedeuten? "Lois? Du bist wach?" "Ja. - Clark." Ihr Laecheln war einfach ueberirdisch schoen, sie schaute nicht zynisch oder spoettisch, nein, sie strahlte ihn einfach an. In dem Moment fiel alles von ihm ab, das in den letzten Stunden an ihm genagt hatte. Die Angst vor ihrer negativen Reaktion, die Wut ueber den Verlust seiner Identitaet und die Ungewissheit, wie es weitergehen sollte. Sie wusste es. Sie wusste alles. Und mal wieder war sie ihm einen Schritt voraus gewesen. Diese Frau war echt ein Phaenomen. Oh Gott, er liebte sie so sehr, und in diesem Moment der Erkenntnis, in diesen dunklen Stunden des Lichtes, liebte er sie noch so viel mehr. Und die Situation machte es ihm leicht, ohne weiteres Zoegern auch noch den Rest loszuwerden, der ihm auf der Seele brannte, lieber jetzt raus mit dem Satz als spaeter, wo vieles Reden vielleicht die schoene Spannung kaputt gemacht haette oder vielleicht sogar Lois aus Unsicherheit ueber seine zu erwartende Reaktion ihre Liebeserklaerung zuruecknehmen wuerde. Nein, er wuerde es ihr jetzt sagen. Mindestens ebenso strahlend und erleichtert blickte Clark mit seinen dunkelbraunen grossen Augen seiner Partnerin fest in die ihrigen und sagte: "Lois. - Ich liebe dich auch." Lois setzte fuer einen Moment das Herz aus. Sie hatte mit allem gerechnet, mit einem Geflachse ueber ihren Spuersinn, mit einem trotzigen "Ich wollte es dir doch selbst sagen!", mit einem besorgten "Wie hast du es herausgefunden?", aber diese Aussage von Clark ueberwaeltigte sie vollkommen. Sie spuerte, wie ihr nun richtig die Traenen in die Augen schossen, und dann war es mit ihrer Fassung vorbei. Sie warf sich an seine Brust, schlang die Arme um seinen Koerper und fuehlte sich auch gleich fest und sicher von ihm gehalten. Nun brach alles aus ihr heraus. "Clark, oh Clark, ich war so dumm. Ich liebe dich schon so lange und wollte es nicht wahrhaben. Und nun dachte ich, du seiest tot! Stell dir vor, du stirbst und ich bleibe zurueck mit dem Bewusstsein, nie den Mut gehabt zu haben, dir meine Liebe zu gestehen..." Das Schluchzen wurde heftiger und ihre Stimme erstarb. Clark wiegte sie fest in seinen Armen, er streichelte mit einer Hand das Haar auf ihrem Hinterkopf und bedeckte ihren Scheitel mit Kuessen. Tief sog er ihren Duft ein, kein Parfum, sondern ihren ganz spezifischen Lois-Duft, den er unter tausenden von anderen Frauen erkennen wuerde. Er liess Lois einen Moment Zeit, sich zu beruhigen und dann sagte er: "Es tut mir so leid, Lois. Es hat mir fast das Herz zerrissen, dich so leiden zu sehen, aber du wolltest mir ja nicht zuhoeren. Ich wollte dir schon auf der Strasse sagen, dass du nicht um mich trauern musst, aber ich kam nicht an dich heran. Entschuldige bitte, wenn ich vielleicht etwas grob war, als ich dich hierher gebracht habe." "Ist schon okay. Ich danke dir. Ich danke Gott, dass du lebst. Ich danke ihm dafuer, dass es dich gibt. Dass er dich zu mir gefuehrt hat." Wieder fing Lois an zu weinen. Clark hielt sie nur fest und murmelte beruhigende Worte, bis Lois ploetzlich sich gegen sein Festhalten wehrte. Lachend schaute sie ihm in die Augen, einen Moment lang hatte er Angst, sie wuerde hysterisch werden, aber es war die reine Erleichterung. "Oh, Clark, schau mich an: ist das die unerschrockene, zielstrebige Lois Lane, die sich hier so gehen laesst und herumheult? Was ist nur aus mir geworden?" fragte sie ihn mit einem schelmischen Blick um die Augen. "Geworden? Du bist immer noch die schoenste, liebenswerteste und faszinierendste Frau, die ich je kennen gelernt habe. Und es erfuellt mich mit grossem Stolz, dass ich es geschafft habe, dich sprachlos zu machen!" "He!" Lois knuffte ihn mit der Faust in die Seite und er reagierte gespielt, als ob sie ihm damit wehgetan haette. "Autsch! Wirst du das wohl sein lassen? Ich will keine Frau, die brutal zu mir ist!" Lachend knuffte Lois noch ein paar mal auf ihn ein, aber ploetzlich hatten sich ihre Gesichter auf wenige Zentimeter einander genaehert und beide sahen sich erstarrt tief in die Augen. "Lois, ich bin so froh, dass dieses Versteckspiel nun ein Ende hat." "Das bin ich auch. Und ich bin..." Nein. Worte waren jetzt stoerend. Unnoetig. Viel zu irdisch. Hier herrschte jetzt ein wahrhaft ausserirdisches Gefuehl vor und in dem Moment, als sich die Spitzen ihrer beider Lippen ganz zaertlich trafen, blieb die Welt stehen. Diese Gefuehle wuerden sie spaeter nicht einander beschreiben muessen, sie empfanden beide exakt das gleiche. Ein elektrisierender Strom, der von den Lippen durch den gesamten Koerper bis in die Zehenspitzen floss und eine Erkenntnis freisetzte. Die Erkenntnis naemlich, dass noch nie eine aehnliche Situation im ganzen Leben ein nur annaehernd so intensives Gefuehl ausgeloest hatte, dass genau dies das Gefuehl war, nach dem sie beide ihr ganzes Leben lang gesucht hatten. Zurueckgeschnellt wie nach einem richtigen Stromschlag starrten sich beide unglaeubig in die Augen und naeherten ihre Lippen einander ein zweites mal. Nun war die Beruehrung noch zarter, wie der Fluegelschlag eines Schmetterlings, und die Erkenntnis ‚Ich liebe dich, wie ich noch nie zuvor...' wurde von dem immer intensiver werdenden Kuss und den immer vielfaeltigeren Gefuehlen hinweggespuelt. Da folgte Antwort auf Frage, Dank auf Bitte und Nehmen auf Geben. In diesem einzigen, nur Minuten dauernden Kuss steckte ein Kennenlernen, das intensiver war, als Stunden des Redens es je sein konnten. Beiden war dies voellig bewusst und sie liessen sich immer weiter von dem Strudel mitreissen, gierig danach, in der Liebe des anderen zu ertrinken und diesen wunderschoenen Traum zur Wirklichkeit werden zu lassen. Atemlos, nach schier endlos erscheinenden Minuten, hielten sie inne und schauten sich wieder in die Augen. "Das ist es dann wohl" meinte Lois trocken und loeste damit die Spannung ein wenig. "Oh Gott, wie lange habe ich davon getraeumt. Danke, dass du da bist!". Das Verlangen war nun der Ruhe gewichen und Lois und Clark lagen ineinander verschlungen auf dem Bett, versuchten beide, langsam wieder klare Gedanken zu fassen und neben all der ueberwaeltigenden Liebe, die sie gerade erfuellte, auch ein wenig Platz fuer die Realitaet und die zu klaerenden Situationen zu schaffen. Es war Clark, der als erster die Stille unterbrach. "Lois? Ist alles in Ordnung zwischen uns?" Ein leises Lachen war die erste Antwort und dann meinte sie: "Nun ja, ich habe noch eine ganze Menge Fragen an dich. Und gewiss noch das ein oder andere Huehnchen mit dir zu rupfen - Superman! Aber... ich weiss, dass ich gerade so gluecklich bin, wie ich es noch nie in meinem Leben gewesen war und ich versuche gerade, meine Gedanken auf die Tatsache zu lenken, dass Clark Kent nicht tot bleiben darf. Clark! Ich brauche dich! Als meinen Partner, als meinen Freund und als meinen - ganz stinknormalen - nun ja - Mann. Ich will nicht als die Geliebte von Superman zur Zielscheibe werden, ich will ein ganz normales Leben mit dir. Und dazu musst du wieder auferstehen, egal wie." "Du willst mit mir leben?" Ein kleines wissendes Grinsen auf Clarks Gesicht brachte fuer einen Moment die "alte" Lois zum Vorschein: "He, Kent! Bilde dir ja nichts ein!" Aber sofort wurde ihr Gesicht wieder ernst. "Ja, ich denke, das ist genau das, was ich will. Das, wonach ich mein ganzes Leben schon gesucht habe. Und wir werden darueber sprechen, sobald wir dieses kleine unbedeutende Problem hier geloest haben. Also, was schlaegst du vor?" "Lois, ich habe vorhin schon mal kurz mit meiner Mom telefoniert. Was haeltst du davon, wenn wir mal schnell nach Smallville fliegen und die Sache auch mit meinen Eltern besprechen?" "Mit deinen Eltern???" Nach einem kurzem Moment des Staunens gab Lois sich gleich selbst die Antwort: "Natuerlich mit deinen Eltern. Sie wissen alles, nicht wahr?" "Selbstverstaendlich, Lois. Meine Eltern sind - neben dir natuerlich - die wunderbarsten Menschen auf der Welt." "Und ich denke fast, ohne sie waerst du nicht der Mensch geworden, der du heute bist. Wenn ich mir vorstelle, was jemand, der mit deinen Kraeften ausgestattet ist, fuer ein Unheil damit anrichten koennte! Du bist bei den Leuten aufgewachsen, die dir genau die richtigen Werte vermittelt haben, dass du als erwachsener Mensch damit nur Gutes tust. Wie und wann kamst du eigentlich zu den Kents?" "Das ist eine sehr, sehr lange Geschichte. Was haeltst du davon, wenn wir jetzt erst mal schlafen und ich sie dir morgen frueh auf dem Flug nach Smallville erzaehle? Wie ich zu meinen Eltern kam, wie ich zu Superman wurde und auch ueber die Rolle, die du bei Supermans Erfindung gespielt hast?" "Ich???" "Ja, du. - Neugierig?" "Na, und wie! - Aber unheimlich muede bin ich auch. Das waren so viele Erlebnisse heute. Ich denke, du hast recht. Ich werde jetzt, mit der Gewissheit, dass du lebst und dass du mich liebst..." Ihre Blicke trafen sich und beide laechelten sich ruhig an "...bestimmt besser schlafen als vorhin. Darf ich in deinen Armen schlafen?" Wortlos schlang Clark die Arme um sie, wartete, bis sie sich bequem zurecht gelegt hatte und drueckte ihr einen Gute-Nacht- Kuss auf die Stirn. "Schlaf gut, du geliebtes Wesen." "Ach Clark, hier so mit dir... zu liegen... ohne dass... mit... das ist... einfach....... magisch............." *************************************************************** ***************** Die Sonne lachte durch das Fenster herein und warf ein goldenes Licht auf das eng umschlungen liegende Paar. ‚So freundlich wie sie strahlt, koennte man meinen, es sei ueberhaupt nichts passiert, wir haetten einen Ferientag und muessten keine Toten wieder auferwecken.' dachte Clark bei sich. Er war schon seit einiger Zeit wach, bewegte sich aber nicht, weil er Lois noch nicht wecken wollte. Der gestrige Tag und die Nacht waren mit dem grossen Schock und den vielen Enthuellungen doch sehr anstrengend fuer sie gewesen, und da sie immer noch eng an ihn gedrueckt in seinen Armen lag, konnte er nicht aufstehen. Aber anstatt darueber nachzudenken, wie sie das Problem loesen koennten, dachte er nur an Lois. Was fuer ein unverschaemtes Glueck er doch hatte. Dass es ja sehr paradox war, dass er erst "sterben" musste, damit sie tatsaechlich zusammenkommen konnten. Wie man nur so lange nebeneinander her leben kann, wenn jeder in den anderen verliebt ist, ohne es zu merken und es sich selbst einzugestehen. Dass diese lange Zeit wohl vielleicht noetig war, um diese wunderbare Vertrauensbasis zwischen ihnen zu schaffen. Und wenn sie schon frueher zusammengekommen waeren? Dann waere es bestimmt auch gut gegangen, wohl nur etwas anders verlaufen. Denn irgendwie spuerte Clark schon immer eine so tiefe Verbundenheit zu Lois, die er nicht beschreiben koennte, die ueber das normale Gefuehl von Verstehen und gemeinsamen Interessen hinaus ging. So, als waeren sie fuereinander bestimmt. Als haette das Schicksal sie unerbittlich zusammengefuehrt, selbst wenn sie sich dagegen gewehrt haetten. Gespuert hatte er dies irgendwie schon immer, aber dann als Einbildung oder Wunschdenken abgetan. Heute allerdings, nachdem er Lois' Worte der Nacht zuvor noch in seinen Ohren klingen hoerte, war er sich ganz sicher, dass ihn seine Gefuehle nicht getaeuscht hatten. Dass noch nie etwas in seinem Leben sich so richtig angefuehlt hatte wie das, was er jetzt gerade tat. Und dass es irgendeine hoehere Macht geben musste, die ihrer beider Liebe unterstuetzt und bewacht, das wurde ihm augenblicklich klar, als er realisierte, dass diese ganze Nacht lang niemand nach Superman gerufen hatte, und das war schon Monate lang nicht mehr vorgekommen gewesen. Aufgrund dieser Erkenntnis musste Clark gleich wieder seufzen und er konnte nicht umhin, seiner Geliebten einen Kuss auf die Haare zu druecken. Lois raekelte sich mit einem Brummeln, wurde dann aber schlagartig wach, als sie realisierte, wo sie war. Sie blinzelte in die Sonne und drehte sich mit einem Ruck zu dem Mann um, der sie noch immer in seinen starken Armen hielt. "Oh mein Gott!" Sie starrte ihn verwundert und verliebt zugleich an. "Diese Aehnlichkeit zwischen dir und - dir ist wirklich so fuerchterlich frappierend, dass ich mir vor den Kopf schlagen koennte! Ihr - du - bist so... so... strahlend." Clark strahlte nun wirklich "Und du bist wunderschoen!" und nahm ihr Gesicht in die Haende, um ihr einen langen, zaertlichen Guten-Morgen-Kuss zu geben. Der Kuss war nicht so elektrisierend und fordernd wie der letzte Nacht, sondern der Austausch von Verstaendnis, von bei Licht besiegeltem Versprechen, von ehrlicher, tiefer Liebe. Wieder fiel es den beiden schwer, den Kuss aufzuloesen und dann noch mehr, den Blick voneinander zu loesen, aber diesmal war es Lois, die die Initiative ergriff. "An die Arbeit?" "An die Arbeit!" Beide sprangen abrupt auf, wie um zu verhindern, dass sie noch laenger aneinander klebten und mussten beide ueber ihren Elan lachen. "Ach, Clark, ich mache mir jetzt fast keine Sorgen mehr, dass wir das Problem nicht loesen koennen, gemeinsam schaffen wir doch alles." "Ja, ich hatte schon immer das Gefuehl, dass ich mit dir zusammen viel mehr erreichen kann, als ganz alleine - trotz meiner Kraefte." "Wirklich?" staunend hielt Lois inne und blickte ihn fragend an." "Ja, Lois, ganz ehrlich. Es sind nicht nur die Werte, die ich bei meinen Eltern gelernt habe und die Kraefte, die die gelbe Sonne hier mir verleiht. Du hast mich befluegelt vom ersten Moment an, den ich mit dir zusammen verbringen durfte. Du hast mich auf die Idee gebracht, einen unantastbaren Superman zu schaffen, der alle seine Kraefte offen benutzen durfte. Und hauptsaechlich hast du mich inspiriert und motiviert, mit deiner Zielstrebigkeit, deiner Logik und deinen manchmal unorthodoxen Methoden, an die ich vor dir nicht mal im Traum gedacht haette!" "So ist das also. Die perfekte Symbiose. Wieso sind wir dann nicht schon frueher zusammengekommen?" "Du wirst lachen, genau darueber habe ich vorhin nachgedacht, als du noch geschlafen hast. Hm, ich moechte mal behaupten, an mir hat es nicht gelegen!" "Ach... Aber du hast mir doch gesagt, dass du mich doch nicht liebst, dass du das nur behauptet hattest, um mich von der Hochzeit mit Lex abzubringen!" "Das war gelogen, Lois. Ich wollte dich einfach nur zurueckhaben als meine Freundin und Partnerin und hatte viel zu viel Angst davor, dass du mich endgueltig zurueckweisen koenntest." "Und genau das haette ich nicht getan. Ich wollte dir naemlich gerade gestehen, dass ich wegen dir die Hochzeit habe platzen lassen. Ich habe naemlich Lex vor dem Altar einen Korb gegeben, das waren nicht die anderen, die diese Hochzeit verhindert haben, das war meine Liebe zu dir!" Clark starrte sie sprachlos an. Die Gedanken rasten durch seinen Kopf. Er rekapitulierte die Ereignisse und Gefuehle dieser schwierigen Zeit und er war sich nicht sicher, ob ihm vielleicht etwas mehr Sensibilitaet damals haette auf die Spruenge helfen koennen und damit einiges zu verhindern gewesen waere. Es hatte ihn so viel Kraft gekostet, nicht alles aufzugeben nach ihrer Abfuhr, nicht sein Leben in Metropolis hinzuschmeissen, sich selbst davon zu ueberzeugen, dass sie ihm viel zu wichtig war, um ihre Freundschaft aufzugeben. Er war geblieben und hatte sich darauf konzentriert, seinen eigenen Schmerz zu ueberwinden. Jetzt musste er sich damit auseinandersetzen, dass sie es in dieser Zeit dann wohl mindestens genauso schwer gehabt hatte wie er selbst! "Habe ich dir sehr wehgetan?" "Ach, Clark, das kann ich jetzt nicht mehr sagen. Bestimmt. Aber das ist jetzt unwichtig. Ich glaube, ich bin heute der gluecklichste Mensch auf der ganzen Welt und wir haben noch so viel Zeit zusammen. Zeit, um offene Fragen zu klaeren und uns gemeinsam an Situationen zu erinnern, die jetzt in einem anderen Licht erscheinen. Mein Gott, wie oft hast du mir schon das Leben gerettet! Wie oft habe ich dich und dein anderes Ich gegeneinander ausgespielt und miteinander verglichen und was weiss ich noch alles! Ich freue mich jetzt einfach. Darauf, dich und dein seltsames Leben richtig kennen zu lernen, dir als "Eingeweihte" helfen zu duerfen und vor allem freue ich mich darauf, mit dir zu leben." "Lois, du bist einfach grossartig. Ich hatte solch eine Angst vor deinen Vorwuerfen, weil ich dich so lange belogen hatte. Ich weiss ja, wie du toben kannst, und jetzt verblueffst du mich durch deinen klaren Kopf in einer solch emotionalen Situation." "Ich bin einfach nur froh, dass du am Leben bist. - So. Und um dies auch offiziell zu machen, haben wir wohl eine Menge zu tun!" *************************************************************** ***************** Es dauerte nur wenige Minuten, bis Lois sich umgezogen und frisch gemacht hatte, ein paar Sachen waren auch schnell eingepackt und schon wurde sie zum Aufbruch gedraengt von Clark, der gerade noch Perry White - als Superman natuerlich - telefonisch mitgeteilt hatte, dass er Lois zu Clarks Eltern nach Smallville fliegen wuerde, wo sie sich erholen koenne. "Willst du so fliegen?" "Nein, natuerlich nicht! Pass auf! Das wollte ich schon immer mal vor deinen Augen tun." Clark drehte sich in sein Superman-Kostuem, ein bunter Wirbel aus rot und blau, und dann stand er vor ihr - Superman. In seiner ganzen Pracht. Mehr als ein "Wow!" konnte Lois erst mal nicht sagen. Tatsaechlich wirkte er in diesem Kostuem viel groesser. Unnahbarer. Aber etwas war anders heute als sonst. Richtig! Sein Blick zu ihr, seine Mimik, seine Bewegungen, und nun auch sein Reden "Wollen wir? - Lois?" - das war ganz Clark. Eindeutig. Lois lachte. "Du bist ein guter Schauspieler, weisst du das, Clark Kent?" Er nahm sie in seine Arme, wie er das schon so haeufig gemacht hatte und flog mit ihr durch das offene Fenster hinaus. "Was meinst du damit?" "Naja. Es gehoert einfach mehr dazu, sich ein paar Strumpfhosen anzuziehen und zu hoffen, dass durch diesen Anblick jedermann von deinem Gesicht abgelenkt wird. Du taeuschst die Menschen wahrscheinlich einzig und alleine dadurch, dass du eine voellig andere Koerperhaltung annimmst und dich ganz anders bewegst, wenn du das Kostuem anhast. Auch dein Reden und dein Blick sind so - anders." "Das hat meine kleine Reporterin ja mal wieder messerscharf beobachtet. Ich koennte wetten, dass es wahrscheinlich sowieso nicht mehr lange gedauert haette, bis du mich von alleine entlarvt haettest. Und - ich bin sehr froh, dass es dir auch noch rechtzeitig gelungen ist. Denn du bist immerhin Lois Lane. Keinem anderen haette ich es zugetraut, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und ich bin sehr stolz auf dich, dass du mich davor bewahrt hast, es dir beichten zu muessen!" Lois lachte. "Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass ich die preisgekroente Enthuellungsreporterin bin. Die Sache ist ganz einfach: ich liebe dich und sehe dich deswegen an wie sonst kein anderer dich anschaut. - Und ich liebe es, mit dir zu fliegen!" Fest in seinen Armen, den Kopf in seine Halsbeuge gelegt, hatte sie die Augen geschlossen, spuerte den Wind auf ihrem Gesicht und fuehlte sich sicher. Etliche Meter hoch in der Luft, nur von ein paar starken Armen gehalten, denen sie geradezu ausgeliefert war, ein Gefuehl, dass sie sonst ueberhaupt nicht leiden konnte. Ihre Selbstaendigkeit war ihr immer das Allerwichtigste gewesen, und jetzt konnte sie es absolut geniessen, von einem Mann abhaengig zu sein. Nicht von irgendeinem Mann. Sondern von dem staerksten Mann der Welt. Ein Ausserirdischer, so fremd und doch so bekannt. So fern und doch so nah. Der Mann, den sie liebte. Schon immer. Bewusst wurde ihr das erst spaet, aber zum Glueck nicht zu spaet. "Ich liebe das Fliegen auch. Ich fing erst ziemlich spaet, so mit 18, damit an, aber dann nutzte ich es auch gleich staendig. Vor allen Dingen, um den Kopf freizukriegen. Weisst du, es ist nicht leicht, wenn man als Kind merkt, dass man anders ist als die anderen. Dass man dieses Anderssein nicht zu Schau stellen darf, wenn man dazugehoeren will. Dass es sogar sehr gefaehrlich sein kann, wenn ueberhaupt jemand davon erfaehrt. Fuer denjenigen und fuer einen selber. Mein Vater hat mir immer eingeschaerft, dass man mich in ein Labor einsperren und wie einen Frosch sezieren wuerde, und das hat tatsaechlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich schwor mir, dass nie jemand mein Geheimnis erfahren sollte. Bis ich dich traf. Mir war im ersten Moment klar, dass du etwas besonderes bist. Dass ich tatsaechlich mein Leben mit dir wuerde teilen duerfen, das ist das groesste Geschenk, das ich je bekommen habe. Eine unglaubliche Erleichterung, diese Last nicht mehr ganz alleine tragen zu muessen." "Aber deine Eltern...?" "Klar, meine Eltern waren und sind immer fuer mich da. Aber sie sind eben "nur" Eltern. Jeder Vogel verlaesst sein Nest und baut sich sein eigenes Leben auf. Das war fuer mich alles kein Problem, aber ich wusste, ein richtiges Leben wuerde ich nur fuehren koennen, wenn ich mein Geheimnis mit jemandem teilen koennte. Mit der Frau, die ich liebe." "Und die Frau, die dich liebt, ist unheimlich stolz darauf, dass sie dazu auserkoren wurde, die Buerde deiner Aufgabe mit zu tragen." Geruehrt ueber die Entschlossenheit ihrer Worte musste Clark schlucken und fuehlte seine Augen brennen. Auch Lois schwieg und dachte ueber ihr Leben nach, das bisher von Ehrgeiz und Langeweile gepraegt war. Wie sagte Lucy doch damals so nett "Du hast keine Dates, du hast Interviews!" Sie hatte so recht gehabt. Aber all dies hatte auch einen Sinn gehabt. Wenn sie vor Clark vielleicht jemanden kennengelernt haette, der sie mehr als nur oberflaechlich interessiert haette, waere sie fuer ihn vielleicht gar nicht bereit gewesen. ‚So hat alles im Leben seinen Sinn. Sogar die schmerzliche Erfahrung gestern, als ich dachte, dass die Liebe meines Lebens tot ist.' *************************************************************** ***************** Der Flug nach Smallville dauerte gar nicht sehr lange. Natuerlich flog Clark langsamer, als wenn er alleine unterwegs war, und so konnte er die Zeit nutzen, Lois die Geschichte ueber seine Herkunft so gut wie moeglich zu erzaehlen. Nach einer guten Viertelstunde landeten sie schon auf der Veranda seines Elternhauses. Die Farm lag zum Glueck weit genug ab von den naechsten Haeusern, sonst waere es garantiert schon jemandem aufgefallen, dass Superman staendig bei den Eltern von Clark Kent zu Besuch war. Aber seine Eltern, die kannten das typische Geraeusch, das Clark beim Anflug machte, und sofort ging die Tuer auf und die Kents kamen ihnen schon entgegen. Pa Kent begruesste seinen Sohn mit einem Schulterklopfen und einem leicht sorgenvollen Blick und Martha schloss Lois in die Arme. "Oh, Lois, ich bin so froh, dass du jetzt richtig zur Familie gehoerst!" "Aber..." "Keine Widerrede! Da gibt es nichts dran zu ruetteln. Du gehoerst zu Clark, also gehoerst du auch zu uns. So einfach ist das. Und jetzt kommt rein!" Lois grinste innerlich. Schon bei ihrem ersten Besuch in Smallville hatte sie gemerkt, dass Martha eine aeusserst patente Frau war, die ihr Gegenueber sofort durchschaute und sich nicht mit Peinlichkeiten abgab. Jetzt, wo sich die Bilder in ihrem Kopf zusammenfuegten mit dem, was sie nun ueber Clark wusste, wurde ihr klar, dass seine Mutter eigentlich den allergroessten Anteil an der Tatsache hatte, dass er als Superman seine Kraefte ausschliesslich fuer das Gute einsetzte. Jonathan Kent war zwar etwas stiller als seine Frau, aber wenn er was sagte, dann hatte das Hand und Fuss und seine Loesungsvorschlaege waren immer die richtigen. Lois war so froh, so herzlich begruesst worden zu sein und hatte tatsaechlich sofort das Gefuehl, dazuzugehoeren, und das sagte sie den Kents nun auch. "Ich danke Ihnen - euch! Ich finde es so grossartig, wie ihr Clark geholfen habt, der Held..." - hier fing sie sich einen kleinen Ellenbogenstoss von Clark ein - "...zu werden, der er heute ist. Ich denke, den groessten Anteil daran hat eure Erziehung. Euer Vorbild." Martha lachte und wiegelte gleich ab: "Ach, Schaetzchen, Lois, du wirst es mir nicht glauben, aber dein Anteil an dieser Sache ist mindestens genauso gross." "Meiner? Aber ich weiss es doch erst seit ein paar Stunden!" "Glaub mir, eine Mutter fuehlt so etwas. Seit er dich kennt, hat Clark endlich ein Ziel in seinem Leben. Vorher war er nur unterwegs, hat die ganze Welt bereist, mal hier und da gearbeitet und auch Menschen geholfen, aber sich so richtig effektiv fuer das Gute einzusetzen, das konnte er erst, als er dich kennen gelernt hatte und Superman geworden war. Und die Liebe zu dir, die Kraft eurer Freundschaft und dein Vertrauen, das du immer in ihn gesetzt hast, das hat seiner Aufgabe erst die richtige Richtung und Zielstrebigkeit gegeben." Lois war sprachlos. Sie warf einen nachdenklichen Blick zu Clark, den er mit einem sehr verliebten Blick beantwortete, und dann setzte sie sich nieder auf das Sofa. So eine wichtige Rolle zu haben in der Existenz dieses ueberirdischen Wesens Superman, das die Welt und unzaehlige Personen mehr als nur einmal gerettet hatte, das konnte sie noch nicht ganz begreifen. Sicher, im Nachhinein betrachtet, hatte sie schon immer das Gefuehl einer tiefen Verbundenheit zu Clark gehabt und auch zu Superman, was ja jetzt logisch erschien, da sie wusste, dass beide ja ein und die selbe Person waren. Aber auch davor hatte sie anscheinend viel mehr Einfluss gehabt als sie je registriert hatte. Zwar hatte sie gemerkt, wie ihre Freundschaft gleichzeitig mit ihrer beruflichen Partnerschaft gewachsen war, aber diese Spannung zwischen ihnen, die spuerte sie erst dann, als sie anfing, mehr fuer Clark zu empfinden. Sicher, sie fand Clark schon von Anfang an attraktiv, und ihre Schwaermerei fuer Superman war eigentlich ziemlich peinlich gewesen. Mein Gott, wie hatte sie sich manchmal schon kindisch aufgefuehrt. Ihn ausgerechnet im Nachthemd zu erwarten, als sie ihn fragte, ob denn fuer ihre Beziehung eine Chance bestuende. Wie oft hatte sie Clark vor den Kopf gestossen und im naechsten Moment Superman schoene Augen gemacht! Und wie anstaendig war er dabei immer geblieben! Er haette ihr Verhalten ohne weiteres ausnutzen koennen, vor allem an dem Tag, als sie sich unter dem Einfluss des Pheromonsprays auf ihn gestuerzt hatte. Und auch letzte Nacht, sich einfach nur mit ihr ins Bett zu legen. Jeder andere Mann haette das nicht ohne Hintergedanken getan... Wie hatte sie ihn wohl inspiriert? Mit ihren Wutausbruechen und Ehrgeizattacken? Oder mit ihrer Zielstrebigkeit und Schlagfertigkeit? Hatte sie ihn vielleicht so sehr inspiriert, dass sie ihn sogar ablenken konnte? Dass er ihr aus kleinen Misslichkeiten geholfen hatte und unterdessen jemand haette retten sollen, der wirklich in Gefahr war? Hatte sie vielleicht sogar Schuld an irgendetwas, weil sie ihm so wichtig war? ... Sollte es vielleicht sogar sein, dass eine Beziehung mit Clark gar nicht so gut war, weil sie dadurch Superman beeinflussen oder von seiner Arbeit abhalten koennte? "Lois?" Voellig in ihre trueben Gedanken versunken, hatte Lois sich in die Ecke des Sofas gedrueckt und bekam nichts mehr mit, was um sie herum passierte. "Lois!" Clark stand direkt vor ihr, mit einer Tasse heissem Tee in der Hand und blickte besorgt auf sie herab. "Du schaust ploetzlich so verknittert aus. Ist was passiert?" "Ach Clark, ich hatte nur gerade Zeit, mir ein paar truebe Gedanken zu machen. Ob es wirklich fair ist, der Welt gegenueber, wenn ich mit Superman eine Beziehung eingehe und ihn von der Arbeit abhalte..." "Och, Schatz!" - Das war das erste mal, dass er sie so nannte und Lois' Miene hellte sich gleich ein wenig auf. Er stellte die Tasse auf den Tisch, setzte sich zu ihr und legte den Arm um ihre Schultern. "Soll ich dir die Wahrheit sagen? Ich denke, Superman kann sogar viel besser arbeiten, wenn er weiss, daheim wartet jemand auf ihn, den er liebt." Schon musste Lois wieder laecheln und blickte den Mann an ihrer Seite an. "Du bist meine Inspiration, Lois, mein Halt, fuer den es sich lohnt, zu leben, mein Liebe, fuer die es sich lohnt, alles zu riskieren. So. Und jetzt muss ich losfliegen nach Metropolis und versuchen, diese Kerle unschaedlich zu machen." "Was? Wie? So ploetzlich?" "Ja, ich habe gerade mit meinen Eltern besprochen, dass ich zuerst versuchen muss, die Bande zu finden. Dillinger wurde damals vor einem Kino verhaftet, da werde ich ihn vielleicht auch aufstoebern koennen. Und ihr ueberlegt in der Zwischenzeit gemeinsam, wie wir Clark Kent wieder auferstehen lassen koennen." "Okay. Du rufst sofort hier an, sobald du was weisst, okay?" "Selbstverstaendlich werde ich das tun." Ein kurzer, aber intensiver Kuss beendete ihr Gespraech und Clark sprang auf. Lois seufzte. "Clark?" "Ja?" "Ich liebe dich." Diesmal war seine Antwort nur ein Laecheln und Lois erwartete auch gar nicht mehr. Sie war gluecklich, dass ihrer Beziehung schon ein gewisses Selbstverstaendnis anhaftete, obwohl sie erst ein paar Stunden alt war. Mit dem vertrauten "whoosh" flog Clark Richtung Metropolis und Lois stand auf und ging in die Kueche zu Martha und Jonathan. *************************************************************** ***************** Clark rief nicht mehr an, aber es dauerte keine drei Stunden, da war er wieder zurueck in Smallville. Natuerlich musste er sofort Bericht erstatten. "Also, ich habe Dillinger tatsaechlich vor dem Kino abfangen koennen. Ich musste ihn erst vom Dach werfen, damit er mir sagte, wo ich Capone, Bonnie und Clyde finden wuerde. Sie waren alle noch bei diesem Professor Hamilton versammelt und wollten sich gerade auf den Weg machen, die Party bei Planet zu stoeren. Empfindlich zu stoeren, denn sie waren bis an die Zaehne bewaffnet." "Der Planet macht eine Party???" Lois war nun doch etwas aufgebracht. "Nun ja, Lois, du kennst doch Perry. Ich nehme an, er hat angeordnet, dass die Party erst recht stattfinden soll, vielleicht sogar zur Ehre, zum Gedaechtnis von Clark Kent. Vielleicht kommen wir ja noch rechtzeitig, um Trauerreden zu verhindern!" "Ja, Clark, wir haben uns schon einige Gedanken gemacht und..." "Nein, Lois, warte. Lass mich erst zu Ende berichten. Die Polizei kam dann sehr schnell und hat die Gangster mitgenommen und Professor Hamilton auch. Ich denke, den werden sie bald wieder freilassen, er hat wohl selbst nicht damit gerechnet, dass seine Experimente so ausufern wuerden. Bevor er abgefuehrt wurde, musste ich ihm noch versprechen, sein Labor und alle Aufzeichnungen zu zerstoeren, damit keiner mehr ein Unheil damit anrichten kann. Tja, bei der Gelegenheit habe ich noch schnell seine Unterlagen ueberflogen, und da kam mir eine geniale Idee. Wir erzaehlen einfach, Superman hat Clark gefunden, als seine Leiche auf die Strasse geworfen wurde und ihn sofort mit seinem Superatem eingefroren, um das Gewebe zu erhalten. Dann sei er in Professor Hamiltons Labor geflogen und den Anweisungen in dessen Manuskript gefolgt. Auf diesem Wege konnte er Clark wieder zum Leben erwecken und es ist, als waere er nie tot gewesen." "Clark, das ist genial!" "Prima, mein Junge, das wird euch jeder glauben!" "Ja, Sohn, aber wie wollt ihr erklaeren, dass ihr so lange verschwunden wart?" Jetzt war Lois wieder an der Reihe, blitzschnell hatte sie die Fakten kombiniert und war mit der Loesung parat. "Wir muessen gar nicht so weit von der Wahrheit abschweifen. Superman hat mich dann aufgegabelt und nach Hause gebracht, konnte mich aber noch nicht beruhigen, da er noch nicht wusste, ob das Experiment mit Clarks Leiche geklappt hatte. In dem Moment rief Perry an, und dem konnte er natuerlich auch noch nichts sagen. Als ich dann schlief, hat er Clark dann aus dem Labor abgeholt und zuerst einmal nach Smallville geflogen, um seine Eltern zu beruhigen, die ihren Sohn mit eigenen Augen sehen wollten, weil sie am Telefon solch ein Wunder bestimmt nicht geglaubt haetten. Danach musste Superman auch mich noch abholen, mir schonend die Wahrheit beibringen und mich ebenfalls nach Smallville fliegen. Unsere Wiedersehensfreude war dann so gross, dass wir erst mal ein paar Stunden dazu gebraucht haben, unsere Gefuehle zu sortieren, und damit haben wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: niemand wird uns fragen, warum wir ploetzlich ein Paar sind! Das ist genial!!!" Lois sprang lachend durch die Kueche und fiel abwechselnd Clark, Martha und Jonathan um den Hals um dann endgueltig sich in Clarks Arme zu werfen und sich einen Kuss abzuholen. Sie war so gluecklich, dass sie sich ueberhaupt nicht mehr um die Tatsache kuemmerte, dass sie Zuschauer hatten. Martha und Jonathan laechelten sich wissend an und klopften dann ihrem Sohn anerkennend auf die Schulter. "Ihr zwei seid echt ein tolles Team! Das wird so funktionieren!" und Jonathan ergaenzte: "Ja, und diese Loesung ist viel besser, als das, was wir uns ausgedacht hatten. "Stimmt, euch ist ja auch was eingefallen. Erzaehlt doch mal!" "Nun ja" begann Martha, "es ist vielleicht nicht besonders originell, aber wir dachten an eine Zigarrenschachtel oder ein Mobiltelefon in deiner Jackentasche, das die Kugel abgefangen hat. Das haetten wir irgendwie auch konstruieren koennen, aber eure Loesung ist doch viel eleganter, gerade was das Zeitproblem angeht. Allerdings bedeutet das wohl auch, dass ihr jetzt sofort losfliegen muesst, um die Party nicht zur Trauerfeier fuer Clark Kent werden zu lassen." "Natuerlich, Mom, du hast recht! Also, dann werden wir mal." "Aber wir kommen ganz bestimmt sehr bald wieder, nicht wahr, Clark? Ich fuehle mich so wohl bei euch, und dank Superman- Express wohnt ihr ja gar nicht so weit weg, wie ich immer dachte!" Alle lagen sich lachend in den Armen, erleichtert ueber den gluecklichen Ausgang und gestaerkt durch das gewachsene Zusammengehoerigkeitsgefuehl, und dann machten sie sich ohne grossen Abschied auf den Weg nach Metropolis. Clark nahm Lois in die Arme und flog schnell mit ihr davon. Martha und Jonathan standen noch eine ganze Weile Arm in Arm auf der Veranda und schauten ihnen hinterher. "Was meinst du, Martha, wann werden die beiden heiraten?" "Ach, Jonathan. Ich wusste schon immer, dass sie fuereinander bestimmt sind und ich denke, sie wissen es jetzt auch. Ich hoffe mal, dass das Schicksal es gut mit ihnen meint und ihnen nicht zu viele Steine auf diesen Weg legen wird..." *************************************************************** ***************** Der Flug zurueck nach Metropolis war noch schoener als der nach Smallville wenige Stunden zuvor. Endlich konnten Lois und Clark wieder ein wenig Zweisamkeit geniessen. Sie hatten noch nicht viel Zeit fuer Zaertlichkeiten gehabt und erst recht nicht fuer die vielen offenen Fragen. Aber beide waren unendlich gluecklich, dass sie es nun doch so schnell geschafft hatten, zusammen zu kommen, und wussten, dass sie nun alle Zeit der Welt hatten, um einige Dinge zu klaeren. Um sich besser kennen zu lernen, sich mit dem anderen auseinander zu setzen, sich zu erforschen, sich zu lieben. Kaum ein Wort wechselten sie unterwegs, hielten sich nur fest umschlungen, als muessten sie all das nachholen, was sie bisher als nur Kollegen und Freunde versaeumt hatten. In der Sicherheit der Nacht landeten sie auf dem Dach des Daily Planet und Clark rotierte aus dem Superman-Kostuem in Anzug und Krawatte, und wieder blieb Lois vor Staunen der Mund offen stehen. "Das wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich mich daran gewoehnt habe. Was kannst du sonst noch Atemberaubendes, von dem ich nichts weiss?" "Na, zum Beispiel das hier!" Er zog sie ohne Vorwarnung an sich und kuesste sie. Wild. Stuermisch. Leidenschaftlich. Und so fordernd, dass ihr die Knie weich wurden. Ihr schwanden fast die Sinne unter seinen Beruehrungen, sie hatte nicht mal mehr die Kraft, sich an ihm festzuhalten, aber sein unendlich starker Arm hielt sie sicher, mit der anderen Hand hielt er ihren Kopf und unterstuetzte damit die Eindringlichkeit seines Kusses. Unzaehlige Schauer rasten Lois durch den ganzen Koerper und sie erwiderte seine Begierde mit einer Leidenschaft, die sie an sich bisher noch nie festgestellt hatte. Sie wusste gar nicht, dass ein blosser Kuss so etwas wunderbares sein konnte, dass es jemals ein Mann ueberhaupt schaffen wuerde, sie willenlos zu machen. In diesem Moment haette er alles mit ihr tun koennen, sie war ihm hilflos ausgeliefert und fuehlte sich dabei so wohl wie noch nie. Umso groesser war der Schock, als er seine Lippen von den ihrigen loeste. Er schaute ihr tief in die Augen und laechelte gluecklich ueber das ganze Gesicht. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie ihn fixieren konnte, so schwindelig war ihr geworden, und dann konnte sie nur hauchen: "Oh Clark, was tust du nur mit mir?" "Dich lieben. Weiter nichts." "Hoer bitte nicht auf damit, ja?" "Nein, das werde ich nie. Das verspreche ich dir." Noch ein paar Sekunden lang schien die Zeit stillzustehen, dann mussten sie sich endlich voneinander loesen, um sich auf den Weg nach unten zu machen. *************************************************************** ***************** Dass die Party in vollem Gange war, konnte man nicht behaupten. Alle Kollegen standen in kleinen Grueppchen beisammen, Glaeser oder Schnittchen in den Haenden, aber es war bedrueckend ruhig. Es wurde nur leise geredet, keiner lachte oder versuchte, die Stimmung aufzuheitern. Lois und Clark hatten unbemerkt die Empore betreten und blickten hinab auf die Trauergemeinde. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, aber dann wurde es ploetzlich mucksmaeuschenstill im Saal. Einer nach dem anderen drehte sich zur Empore hin und starrte unglaeubig auf Lois und Clark. Bis eine junge Stimme die Erstarrung aufloeste. "C.K.!!!!!!!" Jimmy rannte zu Clark und warf sich in seine Arme. "Oh Gott, du lebst! Ich glaube es nicht!" Auch Perry White verlor fast die Beherrschung. "Clark, mein Junge, das muessen Sie mir jetzt aber erklaeren!" Kopfschuettelnd blickte er von der strahlenden Lois zum grinsenden Clark. "Wie habt ihr zwei das nur wieder hingekriegt? Ihr seid wirklich unglaublich!" Ploetzlich war die Erleichterung im gesamten Saal zu spueren, die Gespraeche flammten heftig und erregt auf, keiner wagte es, die Runde mit dem Chefredakteur und dem gerade von den Toten auferstandenen Kent zu stoeren, alle wussten, dass sie sich bis zur naechsten Planet-Ausgabe gedulden mussten, aber gerade deswegen kochte die Geruechtekueche jetzt hoch. Und die vier nutzten das Abschweifen der Aufmerksamkeit dazu, schnell gemeinsam von der Party zu verschwinden. Im Aufzug erklaeren Lois und Clark Perry und Jimmy zumindest mal in einer Kurzfassung, was in der Zwischenzeit alles passiert war und wie Superman es tatsaechlich geschafft hatte, Clark zu retten. Sie versprachen, die fertige Story morgen abzuliefern und verabschiedeten sich dann, um sich von den Strapazen zu erholen. Perry und Jimmy waren ueberwaeltigt und erleichtert und machten sich gemeinsam auf den Heimweg. Endlich wieder alleine und im Schutz der dunklen Seitengasse hinter dem Planet, verwandelte sich Clark wieder in Superman und umarmte Lois, um ihr einen fluechtigen, aber festen Kuss zu geben. "Na, Lois, und wir? Eigentlich sollten wir noch dein Auto beim Club abholen, aber ich bin wirklich unheimlich muede." "Du und muede? Ich dachte, Superman braucht keinen Schlaf." "Natuerlich muss ich auch mal schlafen, Lois. Nicht so viel wie normale Menschen, aber auch meine Akkus sind irgendwann leer, wie man so schoen sagt. Weisst du, tot sein ist ganz schoen anstrengend! Ich hatte auch vorher nicht allzu viel Schlaf und ich fuerchte fast, dass mich der Schlaf jeden Moment uebermannen koennte. Stell dir vor, ich schlafe einfach im Auto ein und hoere nicht mehr zu, wenn du mir was wichtiges erzaehlen willst?" "Du hast recht, ich bin auch ziemlich erledigt. Also, dann wuerde ich vorschlagen, du fliegst uns schnell zu mir und wir machen es uns wieder in meinem Bett gemuetlich? Genau so wie letzte Nacht? Daran koennte ich mich wirklich gewoehnen!" "Ach Lois, ich hatte gehofft, dass du das sagst. Ich moechte jetzt nichts lieber als das. Mit dir in meinen Armen einschlafen, tief und fest, in der Gewissheit, dass wir kein Problem zu loesen haben und vor allem - dass wir uns lieben." "Ja, Clark, wir lieben uns. Ist das nicht wunderschoen?" Ohne ein weiteres Wort hob Clark mit Lois vom Boden ab und flog mit ihr in die Nacht davon.